Hidden Champion Tracto-Technik: „Digitalisierung ist wie eine Frischzellenkur“

Das Lennestädter Traditionsunternehmen Tracto-Technik ist infiziert. Der Virus: Digitalisierung. “Warum uns das Thema so ansteckt? Weil wir diese Pionierdenke haben. Wir wollen immer der Erste sein und den Markt anführen”, berichtet Timotheus Hofmeister, Sprecher der Geschäftsführung. Die Digitale Transformation wirke wie eine Frischzellenkur für das 1962 gegründete Unternehmen, das eine seltene Fähigkeit besitzt: Tracto-Technik kann Rohre in den Boden bringen, ohne dafür graben zu müssen. Und das seit fast 40 Jahren.

1977 brachte das Unternehmen die Erdrakete Grundomat auf den Markt. Sie konnte Rohre und Kabel bis 20 Zentimeter Durchmesser unter Straßen oder Bahnkörpern verlegen. Mit der Vortriebsmaschine Grundoram rammt Tracto-Technik Rohre mit bis zu vier Metern Durchmesser durch den Untergrund, und seit 1978 können die Horizontalspülbohranlagen Grundodrill Leitungen bis 60 Zentimeter Durchmesser auf bis zu 500 Metern Länge ins Erdreich schieben. Die Grundburst-Maschinen hingegen erneuern Altrohre mit einen Querschnitt von bis zu 1,20 Metern, indem sie diese cracken oder zerschneiden und gleichzeitig neue Leitungen einziehen. Im Claim “Grabenlose Technik, die begeistert” hat Tracto-Technik dieses Leistungsvermögen auf eine griffige Formel gebracht, die Kunden in aller Welt einleuchtet.

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Timotheus Hofmeister, Geschäftsführer Tracto-Technik

Tracto-Technik gehört zu den “Hidden Champions”. Mit diesem Begriff kennzeichnet Professor Hermann Simon deutsche Mittelständler, die sich durch zwei Merkmale auszeichnen: Sie gehören weltweit zu den führenden Unternehmen in ihrer Marktnische. Und außerhalb ihrer Branche kennt sie, etwas überspitzt gesagt, kein Mensch. Tracto-Technik erwirtschaftet mit etwa 500 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich. Der Exportanteil von 60 Prozent wird durch Vertriebspartner in über 50 Ländern sichergestellt. Mehr als 400 aktive Patente und Schutzrechte stehen für die Innovations- und Technologieführerschaft des Unternehmens. 50 Ingenieure sind an mehreren Standorten damit beschäftigt, dass diese Ausnahmestellung erhalten bleibt.

„Mensch und Maschine wachsen zusammen“

Für Hofmeister geht es nun darum, dieses Fundament um die Flexibilität und um die Geschwindigkeit zu ergänzen, die in der Digitalen Transformation benötigt werden: „Unsere Branche denkt stärker in Maschinen und weniger in Kundenbedürfnissen. Deswegen gehen wir das Thema ganzheitlich und umfassend an.” Er hat den Wandel verinnerlicht und weiß einerseits um die Gefahr der Disruption, die mit der Digitalisierung der Wirtschaft einhergeht, und andererseits um die neuen Chancen. “Mensch und Maschine wachsen zusammen. Wir kommen da in völlig neue Dimensionen der Serviceorientierung”, deutet Hofmeister an, welche Richtung er einschlagen möchte. Konkreter möchte er im Moment nicht werden. Der Wettbewerb habe große Ohren. Hofmeister sieht das Unternehmen Tracto-Technik in einer “kompletten Transformation” – ausgelöst durch die strategische Notwendigkeit, umgesetzt im Schulterschluss mit dem Gesellschafter und in die Organisation getragen via Schneeballeffekt: “Wir nehmen uns viel Zeit, denken ganzheitlich und strategisch, setzen Prioritäten und überführen diese in konkrete Projekte.”

Hofmeister ist überzeugt, dass die Transformation von innen heraus gelingt. „Für uns ist der Mensch der wesentliche Erfolgsfaktor. Wir müssen ihn auf dieser Reise mitnehmen. So sehr man sich wünscht, alles möge so bleiben, wie es ist, so schnell verändern sich gleichzeitig die Märkte. Dieser Tatsache muss man sich heute stellen.” Einen “Chief Digital Officer” oder eine Innovationseinheit auf der Grünen Wiese, die sich Großunternehmen im Zuge der Digitalisierung gönnen, hält er nicht für sinnvoll. Tracto-Technik setzt aber auf Partnerschaften mit Dienstleistern, die das Unternehmen mit externem Sachverstand und digitalen Lösungen auf ihrem Weg begleiten.

“Wir befinden uns auf einer Reise. Wir machen unsere Schritte und bleiben ständig veränderungsbereit”, erklärt Hofmeister, der vor sechs Jahren von PricewaterhouseCoopers zu Tracto-Technik kam. Für den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ergab sich damit die Gelegenheit, dem “Unternehmer in mir” eine Chance zu geben. Als Geschäftsführer eines Unternehmens, das  – wie immer in seiner Geschichte – auch in der Digitalen Transformation alles daran setzt, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu bleiben. Mindestens.

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