Wirtschaftsminister a. D. Walter Döring: „Nichts geschieht von allein“

Ein Kommentar von Dr. Walter Döring, Wirtschaftsminister a. D. Baden-Württemberg und geschäftsführender Gesellschafter der Akademie Deutscher Weltmarktführer, zur Digitalen Transformation am Standort Deutschland.

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Dr. Walter Döring

Deutsche Unternehmen genießen weltweit einen guten Ruf. Erst jüngst hat die Universität St. Gallen das Ergebnis einer Studie veröffentlicht, nach der Produkte „Made in Germany“ in der internationalen Wertschätzung auf Platz eins liegen. Damit ist Deutschlands Image im Ausland zum ersten Mal besser als das der Schweiz. In drei früheren Studien zur  „Swissness Worldwide“ hatte jeweils die Schweiz am besten abgeschnitten, gefolgt von Deutschland. Nun haben deutsche Produkte und Dienstleistungen in der Befragung von 8 000 Konsumenten aus 15 Ländern erstmals die besten Noten bekommen. Auf den Plätzen drei und vier landeten Japan und Amerika.

1300 Weltmarktführer

Auch hinsichtlich der Anzahl der Weltmarktführer liegt Deutschland mit weitem Abstand vorne: Von 2700 identifizierten Weltmarktführern haben 1300 ihren Sitz in deutschen Landen. 70 Prozent dieser „hidden champions“ sind mittelständisch strukturiert. Zu ebenfalls 70 Prozent handelt es sich um Familien- oder Eigentümerunternehmen.

Verantwortlich für die weltweite Spitzenstellung deutscher Unternehmen waren und sind vor allem zwei Faktoren:

  • die mutige Internationalisierung mit durchschnittlichen Exportraten über 60 Prozent und in der Spitze sogar bis zu 90 Prozent
  • das „kontinuierliche Innovieren”, wozu die traditionell herausragenden Ingenieursleistungen seit Jahrzehnten ihren wertvollen Beitrag leisten.

Ergebnis: Die deutschen Automobil- und Maschinenbauer, Medizintechniker und Nischenanbieter in nahezu allen denkbaren Branchen haben die Nasen vorn.

Großartig, aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Ganz im Gegenteil. Der altbekannte Satz „Die Konkurrenz schläft nicht“ bewahrheitet sich an vielen Stellen. Innovative Wettbewerber machen den Platzhirschen die Stellung streitig. Einst höchst renommierte Namen und Marken sind bereits nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Beispiele: Grundig, deutsche Uhrenhersteller und selbst einst hoch gelobte Automarken (Borgward) sind zu nennen. Eine Institution wie „Der Große Brockhaus“, der einst in keinem deutschen Haushalt, der was auf sich hielt, fehlen durfte, wird gar nicht mehr gedruckt. Tageszeitungen verlieren kontinuierlich gegen Onlinedienste.

Wir beobachten schon lange: Heute noch profitable Geschäftsmodelle können quasi über Nacht wegbrechen und durch neue ersetzt werden. So besitzt alibaba keine Produkte, Uber keine Autos und Airbnb keine Betten. Auch ein Blick auf die Marktkapitalisierung spricht eine deutliche Sprache: Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook – diese fünf Unternehmen weisen zusammen einen nahezu doppelt so hohen Wert auf wie alle 30 DAX-Konzerne zusammen.

Keine Spitzenstellung

Der „Standortindex Digital“ des Marktforschungsinstituts TNS Infratest und des Bundeswirtschaftsministeriums sieht Deutschland bereits ziemlich abgeschlagen auf Platz sechs hinter den USA, Südkorea, United Kingdom, China und Japan. Eine weltweite Spitzenstellung sieht anders aus.

Der Staat ist bei der Infrastruktur gefordert. Stichwort: Breitbandausbau. Und auch in der Ausbildung als Vorbereitung auf die Industrie 4.0. Dazu muss in der Lehrerfortbildung schnell etwas passieren. Die Unternehmen sind natürlich ebenfalls in der Pflicht: in der Weiterbildung, aber auch, indem sie sich für Beratung von außen öffnen.

Es geht im Grunde schon lange nicht mehr alleine um die Verteidigung der Spitzenposition; nein, es geht im Kern bereits um die Existenz. Deshalb sollten Unternehmen jeder Größe und jeder Branche die Warnung von EU-Kommissar Günther Oettinger ernst nehmen:

„Wer die Digitalisierung nicht aktiv angeht, der wird in fünf, spätestens in zehn Jahren nicht mehr in der Wirtschaft und Arbeitswelt präsent sein.”

Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen.

 

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