Zahnarztpraxis Müller und Weidmann: als Unternehmen klein, in der Digitalisierung ganz groß

17 Mitarbeiter zählt die Zahnarztpraxis Dr. Thomas Müller und Dr. Benjamin Weidmann in Schaffhausen. Ein Kleinunternehmen, und doch ganz groß in der Digitalen Transformation. Durchaus aus „Freude an Gadgets“, wie Co-Chef Thomas Müller berichtet, aber auch aus der Überzeugung, dass die Digitalisierung an keinem Unternehmen und schon gar nicht an ihrer Branche vorbeigehen wird.

Auf den Weg machte sich die Praxis, als sie vor einigen Jahren begann, ihre Patientenakten zu digitalisieren. Als „Doconform“ brachte sie ihre Lösung an den Markt. Mittlerweile arbeiten Müller und Weidmann daran mit, ihr Produkt in die umfassende Praxissoftware „Ergodent“ zu integrieren. Das Ziel ist, allen Ärzten und Mitarbeitern Zugriff auf die gleichen Daten zu ermöglichen und so die Patienten immer gezielt informieren oder ohne Rücksprache direkt weiterbehandeln können. Bei Müller und Weidmann ist das bereits üblich.

3D-Druck

Auch in anderen Bereichen der Digitalisierung gehört die Praxis zu den Vorreitern. Für Abformungen, die zum Beispiel für Brücken notwendig sind, vermessen die Ärzte den Mundraum ihrer Patienten digital. Im Bereich künstlicher Zahnwurzeln (Implantate) setzen sie auch 3D-Druck ein, zwar nicht unbedingt für Zahnersatz, aber doch für stützende Schablonen, die zur Einpassung gebraucht werden. In einem Online-Shop können Patienten zudem jene Produkte kaufen, die ihnen zum Beispiel bei Prophylaxe-Schulungen empfohlen worden sind.

Unlängst haben Müller und Weidmann ein neues Großprojekt in Angriff genommen. Sie möchten ihr Materialsystem aus dem Jahr 2002 nicht nur „auf neue Füße stellen“, sondern gleich auch die Nachbestellungen automatisierten und das Ganze an eine Preisvergleichsplattform für professionelle Dentalprodukte ankoppeln. Die gibt es bislang nur für Deutschland, aber Müller ist zuversichtlich, eine solche Lösung auch in der Schweiz initiieren zu können.

Unternehmenswiki

Damit das erworbene Wissen jederzeit für jedermann zur Verfügung steht, wurde das Qualitäts-Management auf die Basis eines kollaborativen Unternehmenswiki gestellt. Somit sind die Best Practices des Betriebs für die Mitarbeiter rund um die Uhr online verfüg- und erweiterbar.  Sitzungsprotokolle und Aufgabenzuteilungen werden online erfasst und durch einen Chat auch zeitgemäss kommuniziert.

Ob sich die digitale Pionierarbeit für die Praxis bereits rechnet, mag Thomas Müller nicht bewerten. „Die Digitale Transformation kommt, und wir wollen dann vorbereitet sein“, erläutert er. Einen Gewinn für die Patienten sieht er aber doch: „Alles wird niederschwelliger und ein bisschen flüssiger. Wenn Sie bei uns anrufen, bekommen Sie immer rasch eine qualifizierte Antwort. Jeder weiß auf Knopfdruck über alles Bescheid.“ Vielleicht liegt es ja auch daran, dass der Praxis die Patienten nicht weglaufen. Weil der Franken im Vergleich zum Euro stark gestiegen ist, zieht es viele Schweizer zur Behandlung ins nahe Deutschland. Nur die Patienten von Müller und Weidmann nicht. Die Praxis ist weiterhin sechs bis acht Wochen im Voraus ausgebucht.

Autor: Christoph Berdi

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.