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„Die Hälfte scheitert an den Daten“

An der Digitalisierung kommt kein Unternehmen vorbei. Patentrezepte gibt es nicht, aber diverse Hürden und Fallstricke. Und neben der eigenen Digitalen Agenda beschäftigt die Unternehmer und Führungskräfte vor allem ein Thema – die Digitalisierung des Bildungswesens. Das zeigte sich bei der Auftaktveranstaltung zur Future Economy Roadshow in Hamburg, wo die IDD beim TÜV Rheinland zu Gast war.

Prof. Dr. Kai Höhmann

„Finden Sie Ihr eigenes e-Smart 4.0“, riet Prof. Dr. Kai Höhmann, CEO von TÜV Rheinland Consulting. Damit spielte er auf Inflation von Fachbegriffen an, die entweder mit „e“ beginnen (wie E-Commerce) den Zusatz „smart“ mitführen oder mit „4.0“ ergänzt werden. Es gehe nicht darum, Schlagworte zu bedienen, so Höhmann. Jeder müsse seinen eigenen Weg in die Digitalisierung finden, sein Geschäftsmodell und seine Kultur. Als Inspiration stellte er ein für viele Teilnehmer überraschendes Beispiel vor: die Landwirtschaft. In der Branche habe die Arbeit mit Daten bereits vor zehn, fünfzehn Jahren begonnen. Landwirtschaftsbetriebe sind heute hoch digitalisiert. Sie arbeiten mit Managementplattformen, die Daten der Landmaschinen, zur Bewässerung, über das Wetter und zur optimalen Saat zusammenführen. Als wichtigen Treiber nannte Höhmann das Internet der Dinge und daraus resultierende, datengetriebene Geschäftsmodelle. Eine Herausforderung. „Von denen, die sich auf en Weg der Digitalisierung machen scheitern die Hälfte an den Daten“, warnte Höhmann. Gründe seien rechtlicher Natur, aber auch die Zurückhaltung von Kunden oder Partnern, die Daten freizugeben. „Für Daten brauchen Sie ein Konzept.“ Nicht nur die Strategie sei Grundlage einer Digitalen Transformation. Höhmann erinnerte daran, auch die technische Seite nicht außer acht zu lassen, also Sicherheit, Geschwindigkeit, Performance und mögliche Datenvolumina. Entscheidend sei der Faktor Mensch: „Erfolgreich können Sie nur sein, wenn Ihre Leute digital denken.“

Der Mensch in der Digitalisierung

Markus DohmEine Steilvorlage für Markus Dohm, Executive Vice President Academy and Life Care bei TÜV Rheinland. „Studien zeigen, dass die Menschen einen großen Teil der Arbeitsplätze in Gefahr sehen – nur den eigenen nicht“, wies er auf eine Fehleinschätzung der meisten Beschäftigten hin. Führungskräfte gehen nicht weniger realitätsfremd an die  Digitalisierung heran. In der Eigenwahrnehmung, sagte Dohm, seien zwei Dritten überzeugt, für die Digitalisierung gut aufgestellt zu sein. Die Fremdwahrnehmung sei jedoch eine andere: Aus der Perspektive der Mitarbeiter stehen nur fünf Prozent gut dar. Keine guten Voraussetzungen, um die Mitarbeiter in der Digitalen Transformation gut und angemessen zu führen, zumal es die Unternehmen seit einigen Jahren mit der Generation Y zu tun haben, die neue Vorstellungen von Leben und Arbeiten mitbringt. Die jungen Mitarbeiter, geboren nach 1990, wünschen sich keine Work-Life-Balance sondern Work-Life-Integration. Und sie sehen Arbeit als Mittel der persönlichen Entwicklung. Am liebsten arbeiten sie sie selbstverantwortlich und in einer individuellen Umgebung, bestimmen Arbeitszeit und Tempi selbst.

Dohm führte eine Studie der Universität St. Gallen ins Feld, die einen weiteren Aspekt der Digitalisierung behandelt: die Gesundheit. Danach zeige sich durch den spürbaren Veränderungsdruck kein höherer Krankenstand. Jedoch ergebe sich eine „signifikante Korrelation“ mit emotionaler Erschöpfung, wie sie beispielsweise in Burnouts zum Ausdruck kommt. Auch deshalb seien in der Führungsarbeit  „Flexibilisierung und Selbstverantwortung“ Mittel der Wahl. Dohm: „Das Management muss die Selbstverantwortung managen.“

Die vierte Stufe der industriellen Revolution

Karl-Heinz LandIn welch dynamischen Umfeld sich Menschen wie Unternehmen mittlerweile wiederfinden, schilderte Digital Evangelist Karl-Heinz Land. „Wir befinden uns in der vierten Stufe der industriellen Produktion. Auf die Dampfmaschine, die Elektrizität und die Elektronik respektive IT folgen jetzt die Cyber-physischen Systeme in Gestalt des Internets der Dinge.“ Eigentlich handele es sich um das Internet der Software und Services und damit um die neue Infrastruktur des Wohlstands. In diesem System verbinden sich die Digitalen und die analoge Welt. Seine Smartwatch kontrolliere seins Gesundheitsfragen permanent und übermittele sie an Apple, das auf diesem System wiederum ein Geschäftsmodell aufsetze. Ein Musterbeispiel sei auch Nespresso. Die Marke sei ein File Modell für die digitale Zeit. Sie hat Begehrlichkeit geschaffen, einen ganz Kranz von Services aufgebaut und verkaufe Kaffee zum zehnfachen Preis eines guten Standardkaffees. Für Land vollzieht in allen Bereichen des Lebens ein Dreiklang, auf den Menschen, Wirtschaft und Politik reagieren müssen: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Was automatisiert werden kann, wird automatisiert. „Allen muss klar sein: Digitalisierung ändert nichts – nur alles.“

Problemfall Bildung

Future Economy Roadshow HamburgVor allem die Herausforderungen im Bildungswesen interessierte die Teilnehmer in der abschließenden Podiumsdiskussion. Einhellige Meinung: Die Digitalisierung ist in den Schulen noch nicht angekommen. Selbst wenn digitale Technologie vorhanden sei, etwa Smartboards, werde sie häufig nicht adäquat genutzt. Ausbildung, Qualifikationsrunde Haltung der Lehrer nannten verschiedene Teilnehmer als Problem. Auch die extreme Unterfinanzierung wurde bemängelt. Im Allgemeinen wie bei einzelnen Themen. Zum Beispiel fehle Geld für die Weiterbildung der Lehrer. Ausdrücklich gelobt wurde das Duale System in der beruflichen Bildung, das, so Dohm, mittlerweile einen Exportschlager darstelle. Gleichwohl mahnte Dohm zum Abschluss: „Wir werden mittlerweile links und rechts überholt. Wir sind zu stolz auf die deutschen Erfolge.“

 

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  1. […] Einen informativen, lebendigen Diskussionsabend erlebten die Besucher der Future Economy Roadshow am vergangenen Montag in Hamburg. Die Referenten zeigten nicht nur auf, wie die Unternehmen den Weg in die Digitale Transformation finden, sondern betonten auch die Rolle der Menschen in diesem Prozess. Und zwar sowohl als Mitarbeiter wie auch als Führungskraft. Redner waren Professor Dr. Kai Höhmann und Personalexperte Markus Dohm, beide vom TÜV Rheinland, sowie IDD-Sprecher und Digital Evangelist Karl-Heinz Land. Die abschließende Diskussion mit den Teilnehmern drehte sich um ein Thema, das offensichtlich vielen Menschen ein Anliegen ist: die Digitalisierung des Bildungswesens. Mehr zu den Rednern und den Inhalten der Premierenveranstaltung, für die der TÜV Rheinland in seiner Hamburger Dependance einen großartigen Rahmen geschaffen hatte, lesen Sie im Blog der Initiative Deutschland Digital. […]

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