Mit welchen Maßnahmen sollten sich Unternehmen dem Thema „Big Data“ annähern?

Frage an unsere Experten:

Überall wird von Big Data gesprochen und wie wichtig dies für Unternehmen sein wird. Bei uns im Unternehmen haben wir hierzu noch keine richtige Strategie und ich habe das Gefühl, dass das Management keine wirkliche Ahnung hat, was Big Data eigentlich bedeutet. Ich würde hierzu gerne in unserem Unternehmen einen konstruktiven Vorschlag einbringen. Können Sie mir sagen, mit welchen Maßnahmen wir anfangen könnten, uns zu dem Thema Big Data aufzustellen?

Antwort von unseren Experten – Dr. Gero Presser:

 

Aller Anfang ist klein

Am besten beginnen Unternehmen einfach damit, überhaupt Daten für Geschäftsentscheidungen heranziehen. Es ist kaum zu glauben: Studien belegen, dass auch heute noch die große Mehrzahl aller Entscheidungen ohne ausreichende Datengrundlage getroffen werden – mit teils verheerenden Konsequenzen. Dabei liegen die Daten vielfach vor, werden aber nicht konsequent in den Entscheidungsprozess einbezogen. Indem Entscheider Daten nutzen, ist ein notwendiger Erfolgsfaktor für eine datengetriebene Organisation gelegt: Für jeden im Unternehmen wird erkennbar, dass Daten wichtig sind und als Basis für Entscheidungen dienen.

Dabei gibt es erfahrungsgemäß noch viele Hindernisse zu überwinden. In vielen Unternehmen existieren Datensilos, die in keinem Zusammenhang stehen und die teils unbewusst zustande gekommen sind, beispielsweise durch einen Wildwuchs an Excel-Tabellen, unterschiedlichen Software-Systemen und Insellösungen. Manchmal werden sie auch bewusst gefördert, dann geht es meist um zwei Geißeln des modernen Unternehmertums, nämlich Herrschaftswissen und Fürstentümer. Solche Grenzen gilt es abzubauen, Daten zusammenzuführen und zu harmonisieren. Diese Themen sind IT-seitig aber längst gelöst, professionelle Werkzeuge stehen zur Verfügung.

Vom Datum zur Information

Auf der anderen Seite sollten Wissensarbeiter Zugang zu den für sie relevanten Daten haben, möglichst mit professionellen und gleichermaßen einfachen Analysewerkzeugen, mit denen effektiv Fragen aus Daten beantwortet werden können. Es geht dabei um den entscheidenden Schritt, aus Daten geschäftsrelevante Informationen zu gewinnen. Auch hier ist die Welt längst fortgeschritten, so dass einfache Analysewerkzeuge sehr schnell von Entscheidern und Wissensarbeitern erlernt und im Alltag genutzt werden können. Das Ziel: Analyse via Selbstbedienung.

Herausfordernd ist dann ein Wandel in der Kultur. Hat die Organisation erst gelernt, Fortschritte effektiv anhand von Daten messen zu können, verstärken gezielte Experimente den positiven Wandel im Unternehmen. Warum nicht Alternativen an kleinen Testmengen ausprobieren, wie es zum Beispiel im Marketing mit A/B-Tests üblich ist? Warum nicht Ergebnisse messen und sich zielgerichtet entwickeln? Voraussetzung hierfür ist eine Kultur, die Experimente erlaubt, günstige und schnelle Fehlschläge erlaubt und kompetent die Auswirkungen analysiert. Entscheidungen sollten stets in Hinblick auf die Datengrundlage hinterfragt werden. Und natürlich ist auch eine entsprechende Qualifizierung unerlässlich, so dass Mitarbeiter Daten interpretieren und analysieren können.

Datenmanagement für Fortgeschrittene

Der wahre Nutzen entfaltet sich, wenn diese „Basisarbeiten“ erledigt sind. Indem Daten als wichtiges Asset angesehen und wertgeschätzt werden, dreht sich auch das Denken der Mitarbeiter zunehmend um Daten. Erst hierdurch erfolgt die Sensibilisierung für neue Geschäftsmodelle und Chancen im Markt. Warum nicht ausgewählte Daten den Kunden zur Verfügung stellen und damit das analoge Produkt mit einer digitalen Komponente abrunden? Warum nicht die eigenen Daten mit Partnern zusammenführen und neue Möglichkeiten ausloten?

Viele radikale Umwälzungen ganzer Branchen haben ihren Ursprung in solchen einfachen Gedanken. Erst mit dem Wandel zu einer datengetriebenen Organisation wird der Nährboden hierfür gelegt. Wer sich heute mit Daten und Analysen umgibt, denkt morgen in Richtung Big Data und Echtzeit, übermorgen möglicherweise in Richtung maschinellem Lernen und Digitaler Disruption. Eine Abkürzung gibt es nicht. Wer den ersten Schritt nicht geht, wird schnell vom Wettbewerb überholt – seien es bekannte Konkurrenten oder agile Neueindringlinge, die eine Branche neu denken.

Autor

Dr. Gero Presser ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der QuinScape GmbH mit Sitz in Dortmund. Das 2001 gegründete Unternehmen beschäftigt über 100 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf die Themen Apps und Portale sowie Integration und Analytics.

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