Sechs Schritte zur datengetriebenen Unternehmenskultur

Eine datengetriebene Kultur beginnt an der Spitze (Quelle: chombosan | fotolia.de)

Daten gehören zum wertvollsten Kapital eines Unternehmens. Laut einer Studie der Economist Intelligence Unit (EIU) gaben 59 Prozent befragten Topmanager an, dass Daten und Analysen „unverzichtbar“ für den Betrieb ihrer Organisationen seien.  Untersuchungen von Gartner zeigen: Über 75 Prozent der Unternehmen investieren in Big Data. Damit werden datengesteuerte Unternehmen zur „neuen Normalität“.

Autor: Lars Milde

Um die Vorteile von Big Data voll und ganz ausschöpfen zu können, strukturieren sich die Unternehmen um und schaffen neue Positionen für einen systematischeren Umgang mit Daten. Dies zeigt sich besonders deutlich am wachsenden Bedarf an sogenannten Datenwissenschaftlern („Data Scientists“). Deren Fähigkeiten, Daten in umsetzbare Erkenntnisse mit geschäftlichem Nutzen zu verwandeln, sind äußerst gefragt.

Für strategische und unternehmensweite Fragestellungen sind solche Spezialisten unabdingbar. Konzentrieren sich aber die gesamten Daten einer Organisation in den Händen einiger weniger Experten, liegt das Potenzial dieser Daten für den Unternehmenswert brach. Um den vollen Nutzen aus Daten zu ziehen, sollte jeder Mitarbeiter die Möglichkeit haben, auf die Daten zuzugreifen und sie täglich in die eigenen Entscheidungen einzubeziehen.

 

Daten können das Wissen demokratisieren und vervielfachen. Sie sind nützlich für jede Branche, für Unternehmen jeder Größe und für Mitarbeiter auf jeder Ebene.

 

Alle Mitarbeiter zu befähigen, ihre Daten regelmäßig und tiefgehend zu erkunden, ist eine große Aufgabe. Sie reicht weit über die Fragen der Technologie oder den bloßen Zugriff auf Informationen hinaus. Vielmehr geht es darum, eine Kultur der Datenanalysen zu leben. Ich habe das Glück, in einer datengesteuerten Organisation zu arbeiten, die nicht nur die Tools für die einfache und anschauliche Aufbereitung von Daten entwickelt, sondern diese auch in allen Teams und auf allen Ebenen zur Entscheidungsfindung nutzt. In den fast drei Jahren, die ich nun bei Tableau bin, habe ich sechs grundlegende Schritte kennengelernt, die für den Wandel zu einer solchen Kultur nötig sind:

1. Geben Sie den Mitarbeitern Zugriff auf die Daten

Eine Analysekultur beginnt mit „Empowerment“. Die Mitarbeiter werden befähigt, Daten zu erkunden und ihre eigenen Fragen zu beantworten. Früher lagen Datenanalysen nur in den Händen einiger weniger. Unternehmen können es sich aber heute nicht mehr leisten, dieses Modell anzuwenden. Es ist die Aufgabe der obersten Führungsetage, eine Kultur zu fördern, in der alle Mitarbeiter selbst Zugriff auf Daten haben und über die technischen Werkzeuge dazu verfügen. Ist dies der Fall, findet ein positiver Wandel statt: Die Mitarbeiter bekommen Verantwortung und das Unternehmen entwickelt sich weiter.

2. Trainieren Sie das Gehirn, nicht nur den Computer

Damit alle Anwender datengetrieben arbeiten können, sind in den meisten Fällen Schulungen erforderlich. Einige davon können über das Tool selbst erfolgen. Hier sind in der Regel Fallbeispiele, Online-Videos und dergleichen verfügbar. Solche Schulungen konzentrieren sich vorwiegend auf den Umgang mit technischen Tools und Analyse-Methoden. Genauso wichtig ist es aber auch, die Kompetenzen der Mitarbeiter im Blick zu behalten. Ein Mentalitätswandel lässt sich nur durch kritisches Denken, analytische Neugier und Kenntnisse in einschlägigen Gebieten (etwa in der Datenvisualisierung) fördern. Zu diesem Zweck können auch externe Experten hinzugezogen werden.

3. Gehen Sie positiv mit Bedenken um

Für viele Organisationen mag ein solches Maß an Befähigung anfangs bedenklich sein, gerade wenn es um sensible Daten geht. Hier kommt dem Führungsteam eine entscheidende Rolle zu. Das Team muss das Unternehmen von der Mentalität des „Need-to-know-Prinzips“ hin zur datengetriebenen Kultur führen; anderenfalls wird der gesamte Änderungsprozess ausgebremst. Es ist daher zunächst wichtig, die Bedenken zu akzeptieren, die bezüglich des kompetenten Umgangs mit Daten auftreten. Aber es müssen anschließend die notwenigen Schritte eingeleitet werden, die diesen Umgang zur Normalität werden zu lassen.

4. Suchen Sie die Neugierigen und Wissbegierigen

Eine Analysekultur bildet sich nur aus, wenn fortlaufend die größten Talente dafür gewonnen und entwickelt werden. Data-Analytics-Skills spielen in diesem Prozess selbstverständlich eine Rolle. Aber es gilt zu beachten, dass ideale Kandidaten nicht unbedingt herausragende Kenntnisse der neuesten Technologien vorweisen müssen. Wirklich wichtig ist für jeden, der mit Daten arbeitet, nur eine Eigenschaft: das kritische Denken. Es empfiehlt sich daher, Tests für Kandidaten zu entwickeln, welche die analytischen Fähigkeiten auf die Probe stellen und deren Neugier wecken. Denn Neugier steht für Eigenständigkeit und bildet eine wesentliche Grundlage für eine Analysekultur.

5. Ignorieren Sie das Bauchgefühl

Damit sich eine datengetriebene Kultur entwickeln kann und die Mitarbeiter zum richtigen Denkansatz motiviert werden, muss die Unternehmensführung zunächst einmal auf datengesteuerte Antworten setzen. Anstatt Meinungen der mittleren Managementebene einzuholen, müssen oberste Führungskräfte Empfehlungen einfordern, die von Daten gestützt sind. Dieselbe Vorgehensweise sollten sie auch von ihren Teams erwarten. Fragen dürfen nicht mit den Worten „ich finde…“ beantwortet werden. In jedem Gespräch sollte ein versierter Umgang mit Daten offenkundig sein.

6. Seien Sie geduldig (aber nicht zu geduldig!)

Die Umsetzung einer Analysekultur ist ein langfristiger Prozess und lässt sich nicht übers Knie brechen. Unternehmen, die erst im nächsten Jahr den ersten Schritt in diese Richtung wagen, werden es allerdings bereuen, nicht bereits heute begonnen zu haben.

Um eine echte datengetriebene Analysekultur zu entwickeln, muss jeder Aspekt der Organisation einbezogen werden: vom Umgang mit Datenwissenschaftlern über Schulungen und Tools bis hin zum Einstellungsprozess. Der wichtigste Faktor ist jedoch, dass die Daten demokratisiert werden. Alle Anwender sollten Fragen stellen und datenbasierte Entscheidungen treffen können.

Welches Fazit lässt sich also aus den sechs beschriebenen Punkten ziehen? Alles hängt davon ab, ob die Unternehmensspitze ihre Führungsaufgabe tatsächlich wahrnimmt. Eine datengetriebene Kultur beginnt – wie wohl jedes Firmenethos – an der Spitze.

Autor

Lars Milde ist Senior Marketing Manager beim Data-Analytics-Anbieter Tableau.

https://www.tableau.com