Fastems: Daten sind das neue Gold

Tomas Hedenborg, CEO Fastems

Tomas Hedenborg ist CEO von Fastems, einem unabhängigen Hersteller von Systemen für die Fabrikautomation. Im Gespräch mit dem Transformation Journal erläutert er, wie das Unternehmen durch digitale Transformation neue Kundenwerte schafft.

Warum hat sich Fastems zu einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie entschlossen?
Auch wenn Fastems als Maschinenbau-Unternehmen wahrgenommen werden könnte, bestehen mehr als 60 Prozent unserer Wertschöpfung heute aus Software- und datengesteuerten Diensten. Unsere Kundenbranchen sind in ihren Digitalisierungsstrategien eher konservativ, so dass wir als führender Player die Veränderung vorantreiben können. Darüber hinaus hat uns unsere Rolle als ganzheitlicher Integrator und Verbinder von Technologien, Systemen und Ressourcen in eine einzigartige Position gebracht: Wir stehen für disruptive, Werte schaffende Innovationen. All dies wird von Kundenbedürfnissen getrieben.

Das spannende Potenzial liegt in den Bereichen, in denen der Kunde selber noch nicht realisiert hat, was erreicht werden kann.

Welche Schlüsselmaßnahmen ergreift Fastems im Zuge der Strategie?
Der Schlüssel liegt darin, den Kunden in den Fokus zu stellen. Dies bedeutet weit mehr, als nur auf die Kundenanforderungen zu hören. Das spannende Potenzial liegt in den Bereichen, in denen der Kunde selber noch nicht realisiert hat, was erreicht werden kann. Denken Sie an die alte Geschichte über Henry Ford: Wenn Sie die Kunden gefragt hätten, was sie brauchen, hätten sie nach einem schnelleren Pferd gefragt… Dieser Ansatz erfordert eine völlig neue Zusammenarbeit und Interaktion mit dem Kunden. Ebenso wichtig ist es, agile Methoden in Forschung, Entwicklung und Innovation. Sprints, Proof-of-Concept, Piloten und Experimente einzuführen. Die Wasserfall-Methode funktioniert hier nicht, und Sie müssen auf Minimal Viable Products (MVP), also minimal überlebensfähige Produkte setzen. Das ist eine große Herausforderung für konservativ gesinnte Ingenieure.

Welche Innovationen sind für Fastems entscheidend?
Es liegt ein großes Potenzial darin, in unserem angestammten Fachgebiet zu innovieren. Das darf nicht vernachlässigt werden. Aber das disruptive Potenzial findet nur derjenige, der die Welt um seine Domain herum erkundet. Hier stoßen Sie auf die bereits genannten, unentdeckten und nicht artikulierten Kundenbedürfnisse. Sie sind von großem Wert. Sie sind übrigens immer mit dem Ergebnis verbunden und nicht mit einem Produkt. Und sie bauen auf die Nutzung der Daten, das neue Gold.

Welche Rolle übernimmt CDO Tomi Kankainen bei der Umsetzung der Digitalstrategie?
Unser Thema sind disruptive Innovationen. Disruption impliziert, das Bestehende herauszufordern, out-of-the-box zu denken, das Außen zu sehen. Die Rolle des CDO ist es, dies zu erleichtern. Er führt die Revolution. Oft hört man, dass die Rolle eines CDO ist, die Transformation bis an den Punkt zu führen, an dem er überflüssig wird. Da ist etwas dran.

Alle Kundensegmente von Fastems vernetzen und automatisieren ihre Produktion – Stichwort Industrie 4.0. Welche Digitaltrends sind aus Ihrer Sicht maßgeblich?
Für uns dreht sich alles um die Nutzung von Daten. Künstliche Intelligenz wird der entscheidende Technologietrend sein. Aber auch Enabling-Technologien sind nicht zu unterschätzen. Hinzu kommen Datenintegrität und Cybersicherheit. In bestimmten Prozessen wird die Bandbreite und Latenzleistung von 5G ein Game-Changer sein. Jedoch ist für uns die digitale Transformation nicht primär ein Technologieproblem. Es geht um Kultur, Führung und Performance Management.

Die Industriegeschichte ist voller Beispiele, bei denen es dominierende Player versäumt haben, den Wandel zu erkennen

Welchen Mehrwert generiert Fastems durch die eigene Digitalisierung für seine Kunden?
Data-Driven Services (DDS) sind für uns das Schlüsselkonzept. Wenn wir heute schon in der Lage sind, 85 Prozent der Ereignisse in den Systemen unserer Kunden aus der Ferne zu lösen, ohne dass ein Servicetechniker den Kunden besuchen muss, werden wir in Zukunft 85 Prozent der Vorfälle verhindern, bevor sie passieren. Dies verdeutlicht das enorme Wertpotential und steigert die Herausforderung, neue Geschäftsmodelle zu kreieren. Es geht in jedem Fall in Richtung „Outcome-Economy“ (Anm. d. Red.: In der Outcome-Economy wird nicht ein Produkt oder Service verkauft, sondern ein Ergebnis). Darüber hinaus sorgen unsere Lösungen für eine zeitnahe und präventive Überwachung der Produktion. Wir setzen eine anspruchsvolle Software ein, die die Produktionsleistung dynamisch simuliert und optimiert, und zwar 96 Stunden im Voraus. Um nur einige Vorteile zu nennen, die wir durch unsere Digitalisierung für die Kunden schaffen. Die Liste ist ziemlich lang.

Wie geht es mit der Digitalisierung der Wirtschaft weiter? Welche sind die nächsten Entwicklungsschritte?

Das Potenzial ist in allen Bereichen der Gesellschaft und der Industrie immens. Meine größte Sorge gilt der Trägheit der etablierten Unternehmen. Die Industriegeschichte ist voller Beispiele, bei denen es dominierende Player versäumt haben, den Wandel zu erkennen, und die somit den Zug verpassten. Mit der Digitalisierung können wir die Evolution nicht mehr einfach als Kontinuum behandeln. Sich der Veränderung zu verweigern – das wird der Auslöser für das Versagen vieler Organisationen sein. Den Wandel annehmen und gestalten – das wird das Siegerkonzept sein.

Die Fragen stelle Christoph Berdi

Über Fastems

Fastems wurde 1901 gegründet und befindet sich seither in Privatbesitz. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Finnland und ist in neun europäischen Ländern sowie in den USA, in Japan und China aktiv. Mit 360 Mitarbeitern erwirtschaftet Fastems einen Umsatz von 70 Millionen Euro pro Jahr.  Fastems produziert auch im nordrhein-westfälischen Issum. Hauptkunden des Unternehmens sind der Maschinenbau, die Luft- und Raumfahrtindustrie, Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen sowie die Zuliefererindustrie.

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