Chief Digital Officer – wohin geht die Reise?

„CDO-Supermann“ - Wohin geht die Reise? (© Romolo Tavani | Fotolia.de)

Die digitale Transformation hat mit dem Chief Digital Officer (CDO) eine neue Managementposition hervorgebracht. Die Anzahl der CDOs steigt seit 2014 rasant an, ihre Bedeutung innerhalb der Unternehmen wächst. Grund genug, sich intensiver mit der Wahrnehmung und der Zukunft des CDO zu beschäftigen.   

Autor: Oliver Merx

Was wurde in den letzten Jahren nicht alles über den CDO geschrieben: Er sei ein „Störenfried“, „König ohne Reich“ oder nonsens, unnütz und überflüssig. Der mediale Tenor lautete lange Zeit und bisweilen noch heute: Der CDO hat keine Zukunft. Ein einzelner „CDO-Supermann“ könne die enormen Herausforderungen der Digitalisierung von Unternehmen und Institutionen allein nicht bewältigen. Auch dann nicht, wenn man ihm im Vorstand von Unternehmen verankert. Das Spannende an der Rolle des CDO ist wiederum die Tatsache, dass er trotz des intensiven medialen Gegenwinds kaum aufzuhalten ist. Frei nach Nietzsche: Was ihn nicht tötet, macht ihn stärker. Die normative Kraft des Faktischen belegt: Der CDO wird immer wichtiger – egal, was man über ihn schreibt.

300 CDOs in der DACH-Region

Das lässt sich auch in Zahlen dokumentieren: Nach Aussage des www.cdoclub.com gibt es weltweit mehrere tausend CDOs. In der DACH-Region sind es nach Recherchen des www.cdo-kompass.de nahezu 300. Das ist durchaus bemerkenswert, denn Anfang 2014 war die Rolle des CDO noch nahezu unbekannt. Mittlerweile hat selbst der Nobelpreis einen CDO, man findet ihn aber auch bei Autoteile Unger (ATU) oder bei der Brauereigruppe Bitburger. Es gibt ihn bei der Stadt New York genauso wie in Darmstadt. Die FAZ hat einen CDO, das Handelsblatt oder der Donaukurier. So gut wie in jeder Branche lässt sich ein CDO finden: In der Medizin (Charité), der Mode (s. Oliver), der Logistik (Deutsche Bahn) und beim Bau (Bilfinger). Die meisten CDOs findet man in Deutschland übrigens in der Industrie – wer hätte das gedacht?

Der Trend geht zum „Multi-CDO“

Es geht aber heute nicht mehr nur um „den“ CDO im Unternehmen: Wirtschaftsgiganten wie General Electric, IBM oder L’Oreal beschäftigen gleich ein ganzes Dutzend oder noch mehr CDOs – ein Trend, der auch in deutschen Unternehmen angekommen ist, zum Beispiel in der Deutschen Bank, bei Beiersdorf oder Bosch. Die Erfolgsformel lautet nicht „ein CDO pro Unternehmen“, sondern „ein CDO pro Geschäftsbereich“. Dieser Ansatz hat verschiedene Vorteile, denn nicht nur Maschinen werden immer vernetzter: Auch Organisationen sind gefordert, die bestehenden Silos gegen vernetzte Strukturen einzutauschen – dezentrale CDOs sind für diesen ohnehin notwendigen Schritt im Rahmen digitaler Transformation eine ausgezeichnete Flankierung.

Vor dem Hintergrund steigender Relevanz bieten mittlerweile verschiedene Universitäten akademische Ausbildungsgänge für den Chief Digital Officer an, zum Beispiel die RWTH Aachen, die Universität Potsdam oder die Hochschule Luzern. Das Berufsbild des CDO wird weiter professionalisiert und geschärft. Der CDO gewinnt an Kontur und Effektivität.

Was bedeutet diese Entwicklung für deutsche Unternehmen?

Die ursprüngliche Diskussion, „ob“ ein CDO wirklich benötigt wird, hat sich erübrigt. Es geht längst nur noch darum, wie ein CDO im Unternehmen verankert wird, mit welchen Kompetenzen er ausgestattet wird und wie er agiert. Der CDO ist zwar nach wie vor kein Supermann, er ist aber auch weit davon entfernt, ein Hampelmann zu sein – er besitzt echte Relevanz!

Der Autor

Oliver Merx ist Herausgeber des CDO-Kompass. Er arbeitet als Digital Business Development Manager in einer Versicherungsgruppe in München. Sie erreichen ihn unter der E-Mail-Adresse: info@cdo-kompass.de