So geht Industrie 4.0: Neue Geschäftsmodelle mit Smart Services

Mit Hilfe moderner Smart-Service-Lösungen lassen sich konkrete Schritte zu einem neuen Geschäftsmodell etablieren (©everythingpossible | fotolia.de)

Nur wenige Unternehmen im deutschsprachigen Raum verfügen über Lösungen zur Datenintegration und -transformation. Das ist ein Problem, wenn man sich die Relevanz der Digitalisierung unserer Gesellschaft vergegenwärtigt. Viele Unternehmen scheuen sich nach wie vor, ihre Strukturen und ihre Datenbasis den Möglichkeiten anzupassen.

Autor: Lumir Boureanu

Ebenso wie klassische Businessmodelle beruhen auch die neuen, digitalen Geschäftsmodelle auf zwei wesentlichen Säulen: dem Kundennutzen und der Fähigkeit, diesen abzuschöpfen. Mit Hilfe moderner Smart-Service-Lösungen lassen sich konkrete Schritte zu einem solchen neuen Geschäftsmodell etablieren. Dabei sind Smart Services als Angebote zu verstehen, denen eine digitale Veredelung von Produkten und Serviceleistungen zugrunde liegt.

Mit dieser fünfstufigen Vorgehensweise, einer Art Masterplan, klappt die Umsetzung:

1. Das Geschäftsmodell

Zunächst muss das bestehende Geschäftsmodell hinterfragt werden: Ein Unternehmen sollte sich nicht mehr ausschließlich auf die Herstellung und den Verkauf von Produkten fokussieren, sondern versuchen, einen kompletten Service zu konzipieren und anzubieten.
Die Empfehlung lautet, ein Taskforce-Team zusammenzustellen, das in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung agiert und bestehende Prozesse grundlegend hinterfragen darf. Dieses Team sollte nicht nur aus den entsprechenden Fachleuten bestehen, sondern auch Insider aus den jeweiligen Bereichen hinzuziehen. Vorhandene Geschäftsprozesse werden analysiert, wobei hier der Schwerpunkt bei den analogen Prozessen liegen sollte, die bei der Entwicklung neuer Strukturen von Bedeutung sein könnten.

Ziel ist ein neues, digitales Geschäftsmodell, das langfristig das bestehende ablöst oder veredelt. Der Fokus liegt auf der Analyse des bestehenden Geschäfts ohne Rücksicht auf Kannibalisierung. Das Unternehmen muss lernen, umzudenken, Bewährtes in Frage zu stellen und sich Schritt für Schritt an neue Strukturen heranzuwagen. Es geht darum, die Tradition zu hinterfragen, ein „Andersdenken“ zu entwickeln und die Perspektive zu wechseln.

2. Die Perspektive

Eine wichtige Grundsatzentscheidung muss gefällt werden: Will die Organisation zukünftig als Einzelunternehmen oder im Verbund agieren? Hier muss abgewogen werden, welche Geschäftsbereiche und -daten bereits intern abgedeckt werden beziehungsweise welche externen Leistungen die Prozesse und Produkte gewinnbringend verbessern können. Dabei sollte man im Hinterkopf das Stichwort „Digitalisierung“ behalten. Die Frage ist, welche Prozesse (teil)digitalisiert werden sollten und welche Daten und Datenformate hierfür eine Rolle spielen. Viele Prozesse eignen sich dazu, mithilfe der Digitalisierung optimiert zu werden, um ein besseres Zusammenspiel der digitalen und der analogen Welt zu gewährleisten.

3. Die Integration

Nun muss die Unternehmensumgebung gemäß dem zukünftigen Geschäftsmodell technologisch angepasst werden. Hier kommt alles, was mit Prozessen, Anwendungen, Geräten, Daten und Services zu tun hat, auf den Tisch und wird auf das neue Anforderungsprofil hin durchleuchtet. Bei der Analyse der Ist-Situation sollte insbesondere ein Gedanke im Vordergrund stehen: „An welcher Stelle lässt sich welcher Faktor möglicherweise durch eine digitale Datenintegration verbessern?“ Das integrative Miteinander der einzelnen Bestandteile ist dabei eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das neue Geschäftsmodell funktioniert.


Neue Geschäftsmodelle sowie eine kooperative Wertschöpfung verlangen nach einer lückenlosen Integration. Damit diese erreicht wird, müssen im Vorfeld diverse Integrationsprozesse initialisiert werden. Dabei geht es nicht nur um die Automatisierung der Produktion, sondern es bedarf vielmehr einer horizontalen Integration – also einer Einbindung entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette. Nur so lässt sich die Zusammenarbeit optimieren, lassen sich Prozesse verbessern und Transparenz schaffen. Nun folgt die Integration und Analyse der Daten. Damit beurteilt werden kann, welche Datenarten die erforderliche Relevanz haben und das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten, müssen Unternehmen hinterfragen: Welche Daten schaffen einen greifbaren wirtschaftlichen Nutzen für den Kunden, welche sorgen für eine höhere Effizienz in der Wertschöpfung? Welche Daten können einen hohen Grad an Fachkompetenz und Qualitätsbewusstsein erzeugen? Die Integration der Daten und das „Matchen“ unterschiedlichster Quellen und Systeme ist in diesem Kontext eine der größten zu bewältigenden IT-Herausforderungen. Am besten greift man hier auf eine Datenintegrationsplattform zurück, die in der Lage ist, dies alles zu leisten. Im Anschluss wird eine neue vernetzte Umgebung aufgesetzt.

4. Die Vernetzung

Hier geht es um den Aufbau einer vernetzten Umgebung mit Geräten, Daten, Anwendungen, Prozessen, Sensoren und Services. Erst jetzt wird das nächste Level erreicht. Das heißt, die physische und die digitale Welt werden miteinander verbunden und somit eins. Daraus entsteht ein digitales Ecosystem, das interagiert sowie die Zusammenarbeit über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg möglich macht. Mehr Transparenz entsteht, aber auch Intelligenz und die Fähigkeit zur Adaption an geänderte Umgebungsbedingungen und Anforderungen. Mehr Flexibilität wird dadurch gewährleistet, dass Daten, Informationen und Dienste an beliebiger Stelle bereitgestellt und verwendet werden können. Erst durch die Vernetzung von Produkten mithilfe der daraus gewonnen Daten entsteht die Grundlage für Smart Services.
Ziel ist es, dass eine Kommunikation sowie ein Austausch innerhalb der einzelnen Komponenten stattfindet, so dass als Mehrwert ein Assistenzsystem für Unternehmen entsteht. Wurde, wie beschrieben, eine Plattform aufgebaut, so stellt eine Anbindung verschiedener Komponenten innerhalb dieses „eingebetteten“ Systems kein Problem mehr dar.
Neben der technologischen Vernetzung müssen sich Unternehmen auch mit Konsumenten, Akteuren und Forschungseinrichtungen zusammenschließen und somit eine effizientere Form der Zusammenarbeit entwickeln. Die so gewonnenen Informationen und das Wissen wirken sich auf die Marktposition positiv aus und werden zukünftig zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

5. Das Ergebnis

Alle Voraussetzungen für die Umsetzung des neuen, digitalen Geschäftsmodells sind geschaffen worden. Es kann „live gehen“. Eine Plattform wurde aufgebaut, welche die reale und die virtuelle Welt durch cyberphysische Systeme miteinander verbindet, so dass Dienstleistungen über das Internet oder Smartphone bezogen werden können.
Erste Angebote, Präsentationen und Marktauftritte können realisiert werden. Nach und nach wird das alte Geschäftsmodell abgelöst. Wichtig ist, dass Unternehmen kontinuierlich am Ball bleiben und ihr Geschäftsmodell „ongoing“ entsprechend der Marktanforderungen optimieren und anpassen.

Der Autor

Lumir Boureanu, Eurodata Tec. (c) Foto Becker & Bredel

Lumir Boureanu, Eurodata Tec. (c) Foto Becker & Bredel

Lumir Boureanu ist Geschäftsführer und Chief Technology Officer der Eurodata Tec GmbH. Sie erreichen ihn unter:
E-Mail: smartservices@eurodata.de
Xing: https://www.xing.com/profile/Lumir_Boureanu