Verantwortungslos: Viele Unternehmen verweigern sich der Digitalisierung

Mit 54 von 100 möglichen Indexpunkten sieht der Wirtschaftsindex Digital in diesem Jahr etwas freundlicher aus als noch 2016. Das Bundeswirtschaftsministerium, das Marktforschungsinstitut Kantar TNS und das ZEW haben die Ergebnisse dazu kürzlich veröffentlicht.

Ein Kommentar von Karl-Heinz Land

Das Spannende an der neuen Studie ist aber nicht, warum sich der Mittelstand um zwei Indexpunkte verbessert. Auch nicht, wie das sonstige verarbeitende Gewerbe langsam in die Gänge kommt. Interessant ist die hohe Quote der Skeptiker:

  • 29 Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sehen eine Digitalisierung des eigenen Unternehmens als nicht erforderlich an.
  • 30 Prozent der Kleinstunternehmen, 21 Prozent der mittelständischen Unternehmen und elf Prozent der Großunternehmen teilen diese Einschätzung.
  • Auch 34 Prozent der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und 28 Prozent aus dem Dienstleistungsbereich sagen, dass es der Digitalisierung nicht bedarf.

Egal, aus welcher Perspektive man auf die Daten schaut: Es ist kaum zu begreifen, wie stoisch sich Unternehmen der Digitalisierung widersetzen. So glauben 52 Prozent der Verkehrs- und Logistikunternehmen sowie 51 Prozent der Unternehmen aus der Energie- und Wasserversorgung, dass Digitalisierung in ihrem Hause nicht notwendig sei. Gleiches gilt für 37 Prozent der Unternehmen aus dem Fahrzeugbau, 14 Prozent der Finanz- und Versicherungsdienstleister und sogar für 18 Prozent – und das ist jetzt kein Scherz – der ITK-Unternehmen.

Digitaler Darwinismus

Auf welchem Planeten diese Unternehmen leben und in welchen Sphären sie denken, ist uns bei der Initiative Deutschland Digital (IDD) völlig schleierhaft. Internet der Dinge? Künstliche Intelligenz? 3D-Druck? Blockchain? Automatisierung? Big Data? Robotik? App-Economy? Share-Economy? In vielen Unternehmen scheint die Botschaft noch nicht angekommen zu sein: Die Digitalisierung durchdringt als Matrixfunktion alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft. Wer glaubt, er könne sich dieser Entwicklung entziehen oder sich irgendwie „heraushalten“, handelt betriebswirtschaftlich verantwortungslos und befindet sich auf dem Holzweg.

Der digitale Darwinismus lässt grüßen. Ihm fallen Unternehmen zum Opfer, die mit dem technologischen Wandel und der Veränderung des Kundenverhaltens nicht mithalten können. Laut Wirtschaftsindex Digital werden es also ziemlich viele Unternehmen sein, die diesen evolutionären Prozess nicht überstehen. Und angesichts dieser Quoten ist es natürlich kein Wunder, dass Deutschland auch in den nächsten Jahren, so die Prognose, aus dem 50er-Bereich des auf 100 Punkte laufenden Digitalindex´ nicht herauskommt.

Autor

Karl-Heinz Land ist Gründer der Strategie- und Transformationsberatung neuland und Sprecher der Initiative Deutschland Digital.