Ecosystems: Digitalisierung erreicht den nächsten Reifegrad

Wie tiefgreifend die digitalen Technologien unser Leben und Arbeiten verändern, ist nicht zu übersehen. Mittlerweile hat die Digitalisierung ihre nächste Entwicklungsstufe erreicht und stellt die Wirtschaft erneut vor eine große Aufgabe: Sie muss den nächsten Schritt gehen und auf Basis der bereits erreichten Meilensteine integrative Ecosystems aufbauen – weg vom Nischendenken, hin zur Vernetzung.

Autor: Lumir Boureanu

Neue Technologien und Businessmodelle sind zwar hinlänglich im Markt etabliert, aber viele Unternehmen fühlen sich dennoch überfordert. Der Grund: Trotz oft enormer Anstrengungen bei der Einführung digitaler Geschäftsmodelle verspüren sie keine Verbesserung. Die Ursachen hierfür liegen meist in der Herangehensweise oder im Verständnis von Digitalisierung. Viele Unternehmen bewerten beispielsweise die Einführung einer App oder eines Online-Shops als Digitalisierung ihres Business`. Dem ist aber oft nicht so. Vielfach handelt es sich lediglich um eine Produktergänzung, aber nicht um eine grundsätzliche Neuausrichtung des Kerngeschäfts. Deshalb müssen sie unbedingt dafür sorgen, dass der Digital Value, den sie erwarten, auch ein Business Value ist. Nur dann sind Unternehmen auf dem richtigen Weg. Digitalisierung ist schließlich kein Selbstzweck.

Bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle ist es wichtig, nicht in eine Einbahnstraße zu gelangen. Deshalb dürfen Unternehmen nicht nur sich selbst im Blick haben, sondern müssen auch die Veränderungen um sich herum sehen. Für die Einführung digitaler Plattformen heißt das: Sie müssen so konzipiert sein, dass sie mit anderen digitalen Systemen interagieren können. Dieses Miteinander der Systeme macht die Grundlage zukünftiger Businessmodelle aus. In der B2C-Welt kann man diesen Ansatz schon vielfach beobachten, aber in den klassischen Industrien und Branchen der B2B-Welt ist man noch zurückhaltend. „Ecosystem“ heißt das Schlagwort, das hier die Richtung anzeigt – und das nicht erst, seit Gartner für diesen Begriff eine entsprechende Klassifizierung vorgenommen hat.

Driver, Partner und Market Maker

Angelehnt an die Gartner-Systematik unterscheidet man drei verschiedene Arten von Ecosystems: Driver, Partner und Market Maker. In diesen sehen die Analysten den nächsten Reifegrad der Digitalisierung. Aber keine Angst, damit sind die bisherigen Digitalisierungsprojekte nicht obsolet. Nein, Gartner geht nur einen Schritt weiter und verknüpft beziehungsweise die vorhandenen Plattformen zu Ecosystems. Bei der Differenzierung berücksichtigt Gartner – neben den bisherigen Veränderungen innerhalb von Unternehmen – auch deren Beziehung zu anderen Organisationen, Märkten und Kunden.

  • Als Driver bezeichnet Gartner ein System, das von einem Unternehmen oder einer Industrie vorgegeben wird und dem sich andere Marktteilnehmer unterordnen. Solch ein Unternehmen ist Amazon: Das Konzept der Plattform, inklusive der im Hintergrund laufenden Fulfillment-Prozesse, hat andere Online-Shops signifikant geprägt.
  • Partner-Systeme funktionieren als Win-Win-Situation aller Teilnehmer und laufen auf das gemeinsame Ziel „Pünktlichkeit und Kostenoptimierung“ hinaus. Ein solches Ecosystem finden wir beispielweise im Bereich eines Flughafens, wo die unterschiedlichsten Systeme von der Airline über den Flughafenbetreiber und Groundservices bis hin zu den Triebwerkherstellern und zum Zoll im Austausch stehen müssen.
  • Beim Market-Maker handelt es sich um eine zentrale Plattform, über die Angebot und Nachfrage miteinander „gematcht“ werden, so wie es etwa bei Airbnb der Fall ist.

Anhand der unterschiedlichen Ecosystems erkennt man, dass die Offenheit und Integrationsfähigkeit von Systemen immer elementarer werden. Deshalb ist es wichtig, dass Integrationstools auch dezentrale Geschäftskonzepte unterstützen. Durch die lose Kopplung ist der direkte Abhängigkeitsgrad gering und die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielen dabei Smart Services. Sie verknüpfen physische und digitalen Dienstleistungen zu neuen, intelligenten Produkten und digital veredelten Geschäftsmodellen. Die übergreifende Transparenz solcher Smart Services bildet somit den Grundstein eines integrierten Ecosystems und damit die Basis für den Erfolg.

Autor:

Lumir Boureanu, Eurodata Tec. (c) Foto Becker & Bredel

Lumir Boureanu, Eurodata Tec. (c) Foto Becker & Bredel

Lumir Boureanu ist Geschäftsführer und Chief Technology Officer der Eurodata Tec GmbH. Sie erreichen ihn unter:
E-Mail: smartservices@eurodata.de
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