Digitalisierung fordert die Familienunternehmen

Familienunternehmen müssen weiter investieren um das Temp zu halten (© industrieblick, Elnur | fotolia.de)

Sie gelten als besondere Perlen des Wirtschaftsstandorts Deutschland: Familienunternehmen. Ihnen eilt der Ruf voraus, weitsichtig, beständig und meist erfolgreich auf den Weltmärkten zu agieren. Die digitale Transformation stellt sie jedoch auf eine harte Probe. Wie eine neue Studie zeigt, hadern viele mit dem Know-how der Mitarbeiter oder mit der digitalen Infrastruktur. Gleichzeitig investieren sie 40 Prozent mehr als noch vor einem Jahr in die Digitalisierung ihres Geschäfts.

Unter Deutschlands größten Familienunternehmen sieht sich nicht einmal die Hälfte bei der Digitalisierung des Geschäftsmodells gut oder sehr gut aufgestellt (41 Prozent). Als größtes Hemmnis für die Digitalisierung sehen die Unternehmen mangelndes Know-how der Mitarbeiter an (43 Prozent). Leider bleibt in der neuen Studie der Deutschen Bank, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) die Frage ungeklärt, wieviel die Unternehmen in die Qualifizierung der Belegschaft investieren. Befragt wurden 312 Familienunternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz

Weitere kritische Punkte sind mangelnde oder unzureichende digitale Schnittstellen zu den Zulieferern (37 Prozent), Bedenken hinsichtlich der IT-Sicherheit (36 Prozent) sowie der notwendige Wandel in der Unternehmenskultur (35 Prozent). Fast jedes dritte große Familienunternehmen sieht zudem die unzureichende digitale Infrastruktur als Hürde für die eigene Digitalisierung (32 Prozent). Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer, fordert die Politik auf, die Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften in der digitalen Welt zu schaffen.

„Die Breitbandversorgung im ländlichen Raum hinkt jener in den Städten deutlich hinterher. Rund 70 Prozent aller Industriearbeitsplätze befinden sich aber auf dem Land. Weniger als ein Drittel der Unternehmen verfügt über eine Bandbreite von maximal 50 Megabit pro Sekunde. Für viele künftige Industrieanwendungen reicht dies nicht aus. Das ist besorgniserregend.“

Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer

Invests der Familienunternehmen steigen

Rund 60 Prozent aller Befragten schätzen die Bedeutung der Digitalisierung für das eigene Unternehmen als hoch oder sehr hoch ein. Die Unternehmen wollen ihre Investitionen in die Digitalisierung deshalb bis 2019 auf durchschnittlich etwa drei Prozent des Umsatzes erhöhen. Dies bedeutet, dass die Ausgaben gegenüber 2016 um fast 40 Prozent steigen. Dabei setzen sie unter anderem auf Big Data: 58 Prozent erwarten für 2019, dass die Nutzung großer Datenmengen für das Geschäft eine hohe Bedeutung haben wird. 2016 spielte dies nur für 28 Prozent eine wichtige Rolle. Wachstumschancen sehen die Unternehmer zudem in internetfähigen, sogenannten smarten Produkten. Doch stellen derzeit lediglich 30 Prozent mindestens ein solch smartes Produkt her.

„Smarte Produkte bieten den Unternehmen die Möglichkeit, das eigene Geschäftsmodell um passgenaue Dienstleistungen zu erweitern und so die Kundenbindung zu stärken. Durch solche After-Sales-Services erwirtschaftet bereits jetzt schon jeder zweite Hersteller von smarten Produkten – 54 Prozent – zusätzlichen Umsatz.“

Friederike Welter, Präsidentin des IfM Bonn und Professorin an der Universität Siegen.

Fazit aus Sicht der IDD: Herausforderungen erkannt, Ausgaben gesteigert. Jetzt müssen die Familienunternehmen in ihre Mitarbeiter investieren und ihre Unternehmenskultur auf Tempoe, Teamwork und agile Methoden polen, um in der sich stetig beschleunigenden Digitalisierung nicht ins Hintertreffen zu geraten.

(IDD Redaktion, -ber)