Neun Thesen zur Mobilität von morgen

Wie die Mobilität der Zukunft organisiert wird, ist eine der großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen. Der Verein „Münchener Kreis“, in dem Wirtschaft und Wissenschaft interdisziplinär an grundlegenden Fragen der Digitalisierung arbeiten, hat dazu eine Studie vorgelegt. Sie ist ein Puzzleteil des umfangreichen Programms des Fujitsu-Forums am 8. und 9. November in München.

 Die Studie „Mobilität, Erfüllung, System – Zur Zukunft der Mobilität 2025+” identifiziert neun strategische Themenfelder und leitet daraus Handlungsempfehlungen für Wirtschaft und Politik ab. Die Potenziale der künftigen Mobilitätswelt seien zwar vielfältig und voller Chancen, so der Münchener Kreis, um sie ausschöpfen zu können, müssten jedoch alle Akteure bereit sein, über ihren Schatten zu springen und neue Sichtweisen einzunehmen.

1.  Anonymität in der Mobilität von Morgen ist eine Illusion

Zukünftige Mobilitätserfüllungssysteme funktionieren nur unter Verwendung persönlicher Daten aller beteiligten Akteure. Um sie zu nutzen, müssen international einheitliche Regelungen geschaffen werden.

2. Offliner bleiben auf der Strecke

Der Zugang zu Mobilität wird digital sein. Damit alle Menschen daran teilhaben können und keine digitale Spaltung entsteht, muss der Zugang auch für Offliner geregelt werden.

3. Feindliche Übernahme – Personen und Güter reisen zukünftig fremd

Da globale Plattformen die Wertschöpfung in der Mobilität auf radikale Weise verändern, müssen zukünftige Mobilitätsökosysteme besonders schnell auf sich wandelnde Kundenbedürfnisse reagieren. Dies gilt mit Blick auf den Transport von A nach B, aber auch in Bezug auf zusätzliches Services zur Nutzung der Transportzeit. Infolgedessen werden vielfältige Mobilitätsdienstleistungen entstehen, die offene, freie Marktplätze erfordern.

4. Das Infrastrukturverständnis von gestern blockiert die Infrastrukturpolitik von morgen

Derzeit fehlt der Infrastrukturpolitik ein ganzheitlicher Ansatz. Diesem Mangel sollte mit domänenübergreifenden und beschleunigten politische Entscheidungsprozessen entgegengetreten werden.

5. Raus aus dem Silodenken

Derzeit herrschen starre Denkmuster vor, die Mobilität einzuschränken und Synergien verhindern. Es gilt daher, alle Mobilitätsoptionen flexibel zu verknüpfen und deren Potenziale auszuschöpfen.

6.  Anbieter im Blindflug:  Kennen sie ihre Kunden noch?

Klassische Mobilitätsanbieter orientieren sich zu wenig und zu spät an den Kundenbedürfnissen, sodass neue Mobilitätsökosysteme ohne sie gestaltet werden. Um zukünftig auf dem Markt bestehen zu können, ist Customer Centricity unerlässlich.

7. Mobilität ist mehr als Ankommen

Der Zusatznutzen wird die Wahl des Transportmittels zukünftig stark beeinflussen. Neue Qualitäten des Transports sowie zusätzliche Angebote zur Gestaltung der Reisezeit werden entscheidende Faktoren im Wettbewerb sein.

8. Virtuelle Mobilität ersetzt physische Mobilität

Physische Mobilität wird an Bedeutung verlieren, zum Beispiel beim Einkaufen, Lernen oder bei der Arbeit. Virtuelle Mobilität in der Lebens- und Arbeitswelt avanciert zur echten Alternative.

9.  Bis zum Stillstand – Güter und Menschen stehen im Wettbewerb um Verkehrsraum

Die Logistik ist ein wichtiger Innovationstreiber im Bereich Mobilität. Personen- und Güterverkehr sind in der intelligenten Stadt der Zukunft als Systemverbund zu verstehen und zu betreiben.


„Die Mobilitätsinfrastrukturen von morgen werden zahlreiche bislang getrennt geplante Infrastrukturen und Anwendungskonzepte verbinden. Folglich müssen deren Planung und Gestaltung in Zukunft ganzheitlich stattfinden und Synergien genutzt werden. Politik, Unternehmen und Nutzer müssen sich noch intensiver sowohl mit den einzelnen Themenfeldern als auch der Gesamtheit der Mobilitätskonzepte auseinandersetzen.”

Prof. Dr. Helmut Krcmar von der Technischen Universität München. Er wird die Studienergebnisse des Münchener Kreises in einer Break-out-Session des Fujitsu-Forums präsentieren.


Die Studie steht hier zum Download bereit.